Journalisten & Blogger: Gleiche Rechte und Pflichten!

Von wegen Sommerloch! Die #Landesverrat Ereignisse geben keine Ruhe. Sie bescheren uns auch eine medienrechtliche Debatte, die mancher als antiquiert bezeichnet. Ich halte sie dennoch für wichtig und richtig, hochinteresssant und längst entscheidungsreif: Sollen Journalisten und Blogger dieselben Privilegien besitzen?

Die Medienwelt hat sich dramatisch verändert. Diese unumkehrbare, Fakten schaffende, rasant fortschreitende Entwicklung muss in dieser konkreten – und in so mancher anderen – medienrechtlichen Regelung endlich ihren Niederschlag finden. Die Gesetzgeber aber tippeln hinter einem rasenden Express hinterher, scheint es mir. Wo sind denn dort jene Kompetenzen, Regeln entsprechend der neuen Realitäten zu schaffen?

Im aktuellen Fall plädiere ich, der selbst zehn Jahre „ehrenamtlich“ kommunalpolitisch gebloggt hat, für diese Regelung: Grundsätzlich sollen gleiche Rechte und gleiche Pflichten für Journalisten und Blogger gelten! Während manche Edelfeder gar noch Journalisten über Blogger hebt, unterscheidet mancher Medienrechtler in der Debatte feiner: Sie wollen berufliche anders als Freizeit-Blogger sehen, um den einen die Privilegien der über die Meinungsfreiheit hinausgehenden Pressefreiheit zuzuerkennen und den anderen nicht.

Hier tut sich nach meiner Sicht der Dinge wieder einmal ein unendlich weites (Ressourcen verschlingendes) Feld für Rechtstreitigkeiten auf, das ich auf gar keinen Fall urbar machen würde. Gleiche Rechte und Pflichten für Journalisten und Blogger! Punkt. Zugleich ist endlich dafür zu sorgen, dass alle Blogger ein Bewusstsein entwickeln können: Sie müssen Sorgfaltspflichten nachkommen und mit den elementaren Regeln des Pressekodex vertraut sein – genauso wie jeder Journalist es sein muss (müsste).

„Medienkunde“ vom Schulfach bis zum ständigen Bildungsthema unserer gesamten Gesellschaft ist überfällig; bei Bürgern genauso wie bei Politikern.

Vereinsnachrichten im „Controller Magazin“

Alle zwei Monate erscheint das Controller Magazin, die „meistgelesene Fachzeitschrift für Controller“, wie es der Haufe-Verlag formuliert. Für die weit mehr als 4.000 deutschsprachigen Mitglieder des Internationalen Controller Vereins (ICV) ist im Jahresbeitrag das CM-Abonnement enthalten.

Jedes Heft kommt mit zehn ICV-Seiten heraus, dieser Tage arbeite ich an der nächsten Ausgabe September/Oktober. Alle zwei Monate stelle ich hier mit einer Kollegin Nachrichten zum Geschehen im Verein zusammen. Unsere Aufgabe ist es, einen interessanten Mix aus Vorstands-News, Veranstaltungsberichten und -ankündigungen – ob Congress, Regionaltagung oder Arbeitskreis-Treffen – mit Personalien, Publikations-Neuigkeiten und prägnanten fachlichen Informationen zu erstellen. Dabei stützen wir uns auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zumeist mit den Leitern der mehr als 70 ICV-Arbeitskreise in 14 Ländern. Zusammenkünfte mit ihnen nutzen wir immer wieder, grundsätzliche Anforderungen an journalistische Texte und Bilder zu vermitteln; eine interesssante Aufgabe, die viel Spaß macht und Früchte trägt.

Wer die Vereinsseiten im CM am Beispiel der Ausgabe Juni/Juli 2015 einmal anschauen möchte, kann hier klicken (PDF): ICV_CM_2015_ICVimCM4

Sehenswert: „Journalism in the Age of Data“

Auch, wenn dieses Video der Stanford University bereits aus dem Jahr 2010 stammt, ist die hier gezeigte 54-minütige Einführung in das Thema „Journalism in the Age of Data“ sehenswert. Sie gibt in 8 Kapiteln eine Übersicht über Datenvisualisierung als Storytelling-Medium: Einführung, Datenvisualisierung im Journalismus, Erzählen von „Daten Sories“, Neue Ära der Infografiken, das Leben als Datenstream, Exploring Data, Technologien und Werkzeuge, Erste Schritte. Dabei kommen vor allem US-amerikanische und britische sowie einige europäische Koryphäen zu Wort. Es werden beeindruckende Beispiele gezeigt und – ganz wesentlich – im Screen erscheinen weiterführende Links sowie kurze Erläuterungen zu den gerade sprechenden Experten von BBC über Google, IBM und Microsoft bis hin zu Guardian und Washington Post.

Was das Video auch klar macht: Selbst wenn sich alles Datennmaterial in Grafiken darstellen lässt, bleibt aber immer die Frage, ob die Betrachter damit etwas anfangen können. Und: Vor allem braucht es unabhängig von den technischen Möglichkeiten immer menschliches Denken, die (visualisierten) Daten zu analysieren und die darin steckende Story zu recherchieren und zu erzählen.

Ein ganz spannendes Thema – und gar nicht weit entfernt vom Controlling…

Ein packendes Qualifying: Wer erobert die Poleposition beim „Vertrauen“?

Wer redet dieser Tage eigentlich nicht von der „Währung Vertrauen“? Ausgerechnet die große, Wahlversprechen realpolitisch vergessende Politik legt in der Auseinandersetzung mit der rebellischen griechischen Regierung größten Wert darauf. – Für Medienleute und Öffentlichkeitsarbeiter jedenfalls ist „Vertrauen“ unbestritten elementar: Ohne diese Leitwährung gibt es weder Einschaltquoten, Verkaufserlöse noch Aufmerksamkeit für Themen und Stories.

Passend lese ich da vom Edelmann Trust Barometer 2015. Die internationale PR-Agentur Edelmann misst seit 15 Jahren weltweit Vertrauen – natürlich auch in die Medien. Die neuesten Ergebnisse lassen aufhorchen: Als vertrauenswürdigste Absender von Nachrichten und Hintergrundberichten rangieren erstmals nicht mehr die traditionellen Medien. An deren Poleposition haben sich Suchmaschinen gesetzt. Mit 64% vertrauen mehr Menschen Google & Co. als traditionellen Medien wie „New York Times“ oder „Sun“, ist da zu lesen.

Allerdings, noch nicht so in Deutschland: Hier vertrauen 66% den traditionellen Medien, erst 47% der eigenen Onlinesuche. German Medienleuten und Öffentlichkeitsarbeitern bleibt also scheinbar Zeit, „Neuland“ zu gestalten.

Der Vertrauens-Wandel läuft nicht erst seit heute. Seit Jahren bedeutet er für Öffentlichkeitsarbeiter wie mich Risiko und Chance. Bei Edelmann heißt es zur deutschen Situation, zum einen könnte man noch „so weitermachen wie bisher“ – und man müsse es sogar: Denn Vertrauen aufzubauen, brauche hierzulande (noch mehrheitlich, der Autor) die traditionellen Medien. Bei allem Qualifyingfieber darf nicht überpaced werden: Es sind immer noch vor allem traditionelle Medien, die aktuelle Inhalte – auch online – bereitstellen. Zum anderen kämen wir nicht weit, wenn wir nur auf diese setzen, denn immer mehr wird der eigenen Recherche der größte Glauben geschenkt.

Mein Credo seit Jahren: Journalisten klassischer Medien müssen von Themen genauso überzeugt werden, wie etwa Suchmaschinen nutzende Surfer, damit sie Vertrauen fassen. Bei letzteren sehe ich hier eine Riesenchance, direkt ans Ziel zu kommen – die Gatekeeper der traditionellen Medien büßen ihre übermächtige Position ein. Es gilt dennoch: Ganz gleich, ob wir traditionelle Medien oder Suchmaschinen adressieren, und ganz gleich, ob wir es Aufmerksamkeit oder Reichweite nennen: Es braucht parallel den professionellen Einsatz neuer Werkzeuge, wie Social Media, Content Marketing, SEO etc.

Den Beitrag der Unternehmenskommunikation zur Wertschöpfung mit „Integrated Reporting“ verorten?

Spannendes Neuland beim Treffen des Fachkreises Kommunikations-Controlling des Internationalen Controller Vereins (ICV) am vergangenen Donnerstag und Freitag in Leipzig betreten: Was ist „Integrated Reporting“ und kann IR unserem Konzept vom Kommunikations-Controlling weiterhelfen?

IR ist ein derzeit stark an Bedeutung gewinnendes Berichterstattungskonzept, das sowohl auf quantitative als auch auf qualitative Aspekte des betrieblichen Handelns eingeht. Integrated Reporting strebt die Verknüpfung der Finanz- mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung an. Anders als die aus dem HGB resultierende Pflicht, als große Kapitalgesellschaft im Lagebericht auf  bedeutsame, auch nicht-finanzielle Leistungsindikatoren einzugehen, geht es hier darum, bislang „isolierte“ Teile der Berichterstattung miteinander in Beziehung zu setzen und so ein ganzheitliches Unternehmensbild zu zeigen. Nicht mehr Informationen sind das Ziel, sondern eine verbesserte Informationsqualität. Die Wirkung soll über die bloße Berichterstattung weit hinaus  reichen; es soll intern mit diesen integrierten Größen gesteuert werden. Beim IR gibt es einen vom International Integrated Reporting Council (IIRC) international vorgeschlagenen Orientierungsrahmen; ein Rahmenkonzept für das Integrated Reporting mit einem prinzipienbasierten Ansatz. Dieser enthält aber keine detaillierte Auflistung konkreter Berichterstattungselemente; Unternehmen sollen anhand eines einheitlichen Rahmens ihren integrierten Bericht individuell ausgestaltet erstellen.

Anderthalb Tage haben wir uns im Fachkreis, wiederholt hier in Arbeitsgruppen, zu diesem Arbeitsauftrag die Köpfe heiß geredet: „Chancen erkennen (konkretisieren und dokumentieren), mithilfe des Integrated Reporting Frameworks die Beiträge der Unternehmenskommunikation zur Wertschöpfung in die Unternehmensführung zu integrieren.“ Im FAK-Workshop haben wir eine Matrix entworfen und durchgespielt, die 6 Vermögensarten (Finanz-, produziertes, intellektuelles, Human-, soziales & Beziehungs- sowie Natur-Vermögen) im Verhältnis zu verschiedenen Stakeholdern (die wiederum in primäre und sekundäre Gruppen unterteilt wurden) betrachtet.

Mit noch nur wenig Abstand zum Erlebten und unseren Diskussionen meine ich, hier bietet sich eine interessante Perspektive, die Kommunikationsbeiträge zur Wertschöpfung „zu verorten“. Ob und wie dieser interessante Ansatz im Fachkreis weiter verfolgt wird, darüber berät nun der FAK-Leitungskreis.

Ich bin gespannt.

FAK KC Sander LeipzigÜber den Dächern einer wunderbaren Stadt: In der Mittagspause der FAK-Sitzung hatten die Gastgeber vom Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften der Universität Leipzig eine exklusive Führung auf den Turm der weltberühmten Thomaskirche organisiert.

Medienmacher machen

Ein spannendes Thema sind für mich immer wieder die „medienrechtlichen Konsequenzen“ daraus, wenn ich als Kommunikations-Berater meine Partner selbst zu Medienmachern mache. Mit der Website, dem Corporate Blog, mit der Facebook-Seite, dem Twitter-Account und dem eigenen eNewsetter also das selber machen, was früher klassischen Medien vorbehalten war.

Hier lauern nach meinen Erfahrungen so gut wie an jeder Ecke rechtliche Herausforderungen. Antworten sind gefragt, wie z.B. mit urheberrechtlichen Fallstricken umzugehen ist. Die sind zumindest für die meisten Beratungspartner neu; gehören einfach nicht zu deren Kernkompetenz. Sie haben eine Idee, ein Produkt, eine Unternehmung – und marschieren also im alle Möglichkeiten verheißenden Social-Media-Minenfeld los, ohne sich lang und breit über die rechtlichen Rahmenbedingungen Gedanken zu machen. Sie und schon gar nicht ihre Mitarbeiter sind geschult, was z.B. urheberrechtlich erlaubt ist und was nicht. Social Media Guidelines beispielsweise können ihnen und ihren Mitarbeiter helfen, Unternehmensinteressen zu schützen. Das kann die Bewahrung von Unternehmensgeheimnissen betreffen oder auch einfach den Umgang mit Bildern, um etwa Lizenzverstößen vorzubeugen, oder auch den gesetzeskonformen Aufbau und Umgang mit eNewsletter-Verteilern.

In diesem weiten Feld lautet meine Devise: Vor dem Schaden klug sein!