Corona: Und Afrika?

China, Italien, Spanien, Frankreich … Deutschland… USA… – Dramatische Schreckensbilder lassen uns seit Wochen den Atem stocken. 

Und Afrika?

Ich habe dieser Tage in der SZ einen unbedingt zu empfehlenden Beitrag von Felwine Sarr gelesen, jenem Hochschullehrer für Ökonomie, Sozialwissenschaftler, Autor und Musiker aus dem Senegal, der mit seinem Restitutionsbericht – Rückgabe kolonialer Kulturgüter – für Präsident Macron weltberühmt wurde und dessen packender Essay „Afrotopia“ zu den Entwicklungsperspektiven Afrikas mich nicht mehr loslässt.

Sarr beschreibt die Ausgangssperre in Senegals Hauptstadt Dakar. Er fragt zugleich nach den Ursachen dieser globalen Katastrophe und vor allem fragt er nach dem „Wie weiter?“. Für ihn ist das Virus ein Ergebnis der Zerstörung der Biodiversität „durch eine gedankenlose kapitalistische Produktionsweise und der Hybris eines Viertels der Menschheit, der Europäer und Amerikaner, inzwischen auch der Chinesen. Die ganze Welt zahlt den Preis für deren Leichtfertigkeit und Egoismus.“

Sarr skizziert eine Perspektive: den Verzicht auf den Traum vom Hyperkonsum. Der industrialisierte Norden müsste sich mühsam des Konsums entwöhnen. Der Süden, in erzwungener Kargheit lebend, müsste auf das Traumbild der westlichen industriellen Modernität verzichten und stattdessen ein anderes – ein afrikanisches? – Modell erfinden.

Vor knapp einem Jahr war ich als Rural-Coworking-Spezialist auf einer Startup-Reise im westafrikanischen Ghana. Mit 20  Gründungswilligen aus Ghana, Äthiopien und Senegal besuchte ich Startups und Gründerzentren im ländlichen Raum. In dieser unvergesslichen Woche entwickelten die afrikanischen Teilnehmenden unterstützt von ghanaischen sowie deutschen Experten ihre Gründungskonzepte weiter.

Ich habe dort Omar aus dem Senegal kennen- und schätzen gelernt. Noch immer bin ich mit „Monsieur Yobante Express“, dem Gründer seines ambitionierten „letzte Meile Startup“, einer Art „Uber for Parcels“ für die Zustellung von Paketen, in Kontakt. Auf Youtube kann man im Yobante Express Kanal verfolgen, wie sich das Startup entwickelt.

Dort habe ich jetzt dieses neueste Video gefunden: In Zeiten von Ausgangsbeschränkungen hilft das junge Unternehmen, Lebensmittel auszuliefern.

Das ist beeindruckend und zeigt, wie sich auch in Afrika Menschen erfindungsreich dieser Krise entgegenstemmen.

Ob es uns aber wirklich gelingt – dem Norden und Süden gemeinsam – eine andere Zivilisation zu erfinden? Felwine Sarr meint, diese Krise ist die Gelegenheit dafür…

1 Kommentar

  1. Danke für diesen Beitrag, Hannes. Auch ich finde, dass in sehr vielen Berichten über Afrika ein postkolonialer Hochmut durchscheint, eine Einstellung in der Art, dass wir zivilisierten Europäer den armen, kleinen Negerlein erklären müssten, wie sie ihr Leben zu gestalten haben. Ein Dialog auf Augenhöhe und mehr Bereitschaft zum gegenseitigen Lernen würde wahrscheinlich uns allen guttun.